MASSGESCHNEIDERT. Auf dem Land ist viel von Ortskernsterben die Rede. Mag. pharm. Michaela Wachter wollte ein Zeichen setzen und zog mit ihrer Nibelungenapotheke in einen nachhaltig errichteten Neubau in der Ortsmitte von Herzogenburg.
Text: Harald Sager | Fotos: Klinger Apothekenbau
„Ich wollte immer schon auf dem Land leben“, sagt Michaela Wachter. Die gebürtige Wienerin arbeitete 17 Jahre lang in verschiedenen Apotheken, bis sie in Herzogenburg in der Nibelungen Apotheke „ankam“. Dort bereitete sie sich noch ein Jahr lang als Angestellte auf die Übernahme vor – 2015 war es dann so weit. Die traditionsreiche Apotheke in der Herrengasse wies allerdings bedeutende Mängel auf: eine alte Bausubstanz, eine viel zu kleine Offizin und fehlende Barrierefreiheit.
Ortszentrum statt Gewerbegürtel
Michaela Wachter machte sich also auf die Suche nach einem neuen, möglichst zentralen Standort: „In den Gewerbegürtel und damit in die Nachbarschaft von Billigmodegeschäften wollte ich keinesfalls umsiedeln. Mir ist sowieso daran gelegen, dass die Ortskerne lebendig bleiben und nicht immer mehr verfallen, wie es leider oft der Fall ist.“ Doch zunächst waren alle in Frage kommenden Objekte bereits belegt. Es dauerte Jahre, ehe sich eine passende Gelegenheit bot – und das noch dazu mit dem idealen Partner!
Maßgeschneiderter Neubau
Denn Martin Brunner, Geschäftsführer eines Ingenieurbüros vor Ort, war bereit, auf seinem Grund im Zentrum anstelle des bereits vorhandenen stillgelegten Geschäftslokals ein modernes und nachhaltiges Apothekengebäude errichten zu lassen. „Der Bauherr hat es sozusagen für uns gebaut, ist bei der innenarchitektonischen Gestaltung stark auf unsere Anforderungen und Wünsche eingegangen“, freut sich die Apothekenchefin. Martin Brunner legte zudem viel Wert auf Nachhaltigkeit: So kommen bei der Haustechnik etwa Grünstrom, Geothermie und kontrollierte Wohnraumlüftung zum Einsatz.
Zweigeschossiger Lichthof und Green Wall
Ein Dreivierteljahr nahm die Errichtung in Anspruch, an einem Wochenende im Jänner 2025 wurde übersiedelt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: ein moderner, zeitgemäßer Bau mit viel Glas und glatter Fassade und eine knapp 100 m² große Offizin, die dank des zweigeschoßigen Lichthofs sehr hell und luftig wirkt. Die Green Wall mit echten Pflanzen bis ins Obergeschoß trägt zur freundlichen und entspannenden Atmosphäre bei. „Ich wollte vor allem erreichen, dass mein Team und die Kundschaft sich wohlfühlen“, sagt Michaela Wachter: „Das sterile Ambiente der Geschäfte in Einkaufszentren ist mir ein Greuel. Von der Decke in Schwarz musste ich mich allerdings von Herrn Klinger, dem Ladenbauer, erst überzeugen lassen. Aber das Resultat gefällt mir sehr!“ Weitere optische Akzente setzen die „alt“ anmutenden Fliesen sowie ein tatsächlich uralter Apothekerschrank im Verkaufsraum – ein aus der Herrengasse mitgenommenes Relikt samt alten Tinkturgefäßen und lustigen Lädchen, das natürlich nur zu Schauzwecken dient.
Der ROWA-Kommissionierautomat im Obergeschoß misst nicht weniger als 11 Meter, fasst 14.000 Packungen und ist an Abwurfschächte angeschlossen, die direkt zu den Taras führen. Michaela Wachter ist damit sehr zufrieden: „Der nimmt uns eine Menge stumpfsinnige Arbeit à la Ein- und Ausladen und das Überprüfen der Ablaufdaten ab!“
Mit ihrem Erscheinungsbild fügt sich die neue Apotheke an der Einmündung in den Rathausplatz übrigens ausgezeichnet ins Stadtbild ein: Auch das gegenüberliegende Herzogenburger Rathaus ist – ebenso wie die gleich anschließende Raiffeisenbank – ein modernes Gebäude. „In unmittelbarer Nähe sind auch ein paar Arztpraxen angesiedelt. Wir sind demnach Teil der gesundheitlichen Nahversorgung hier“, freut sich Michaela Wachter.

Nibelungen Apotheke
Kremser Straße 1, 3130 Herzogenburg
• Beschäftigte: 15
• Gesamtfläche: 300 m²
• Leitung: Mag. pharm. Michaela Wachter
• Leistung von Herba Chemosan: AIT2-Software
www.nibelungen-apotheke.at