INGWER. Warum die Wurzel mehr kann als nur Tee und Curry.
Text: SILKE RUPRECHTSBERGER | Foto: LOUAI ABDUL FATTAH | Illustrationen: shutterstock.com / Thi Quy
Er ist aus der Winterküche kaum wegzudenken, doch auch medizinisch hat er einiges zu bieten: „Ingwer ist ein Paradebeispiel dafür, wie Ernährung und Medizin ineinandergreifen“, sagt Mag. pharm. Sophie Adelthaler, BSc, BSc.
VON DER WURZEL ZUR WIRKUNG
Die scharfen Inhaltsstoffe – allen voran Gingerole und Shogaole sowie ätherische Öle – wirken antibakteriell, entzündungshemmend und verdauungsfördernd. In der Schulmedizin wird Ingwer auch als Antiemetikum eingesetzt, etwa bei Schwangerschafts- oder Reiseübelkeit. „Es gibt Arzneimittel mit Ingwerextrakt, die hier sehr gut helfen“, so die Pharmazeutin. Auch der Blutzuckerspiegel kann durch Ingwer positiv beeinflusst werden. Und: Die Wurzel regt den Gallenfluss an. „Bei einem Hang zu Gallensteinen sollte man Ingwer allerdings nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden“, rät die Expertin.
ZU VIEL DES GUTEN
Wie so oft gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Der Fall einer Spitalspatientin mit Darmverschluss zeigt, was ein Zuviel anrichten kann. Im Glauben, sich etwas Gutes zu tun, hatte die junge Frau ganze Ingwerwurzeln verzehrt. „Die Pflegekräfte dachten, sie hätte Gras im Magen“, erzählt Adelthaler: „Aber es waren unverdaute Ingwerfasern.“ In großer Menge – etwa in Kapselform – kann Ingwer auch die Blutgerinnung hemmen oder Sodbrennen auslösen.
FRISCH ODER GETROCKNET?
Laut TCM wärmt die frische Wurzel eher oberflächlich, Ingwer-Pulver wirkt hingegen intensiver – ideal bei einer beginnenden Erkältung. In der Küche empfiehlt die Diätologin, mit kleinen Mengen zu starten: „Die Schärfe und Wärme ist nicht jedermanns Sache. In Suppen, Currys oder mit Zitrone und Honig als Tee ist Ingwer wunderbar verträglich.“
Rezept: Wärmende Karotten- Curry-Ingwer-Suppe
Zutaten:
1 Zwiebel, 500 g Karotten, 50 g frische Ingwerwurzel, 3 EL Margarine, 1 l Gemüsebrühe, 2 TL Currypulver, etwas Paprikapulver, Kurkuma, Salz und Pfeffer, 1 TL Tomatenmark, etwas Petersilie, 200 ml Orangensaft, optional: Crème fraîche, Pflanzencuisine oder Kokosmilch
Zubereitung:
Die Karotten waschen und würfelig schneiden. Die Petersilie hacken. Zwiebel und Ingwer schälen und fein würfeln. Margarine in einem großen Topf erhitzen und Zwiebel darin glasig dünsten. Karotten hinzugeben. Ingwer, Gewürze und Tomatenmark ebenso hinzufügen und unter Rühren kurz anrösten, bis sich die Aromen entfalten. Mit der Gemüsebrühe ablöschen und köcheln lassen, bis die Karotten gar sind. Orangensaft hinzugeben und die Suppe bis zur gewünschten Konsistenz pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Optional noch mit Crème fraîche, Pflanzencuisine (für eine vegane Suppe) oder Kokosmilch (für einen exotischen Geschmack) abschmecken.
Tipp: Die Schale des Ingwers lässt sich am einfachsten mit einem Löffel abschaben.
Mag. pharm. Sophie Adelthaler BSc, BSc. ist Apothekerin und Diätologin
(www.bauchstimme.at)