Die Kümmerer

Vom Event-Aufbau bis zur Reparatur des Anlagenmotors. Das Haus- und Betriebstechnik-Team in der Herba-Chemosan-Zentrale in Wien Simmering stellt sicher, dass der Betrieb einwandfrei läuft.

Text: Stephan Wabl | Fotos: Bernhard Wolf

Es knattert, rattert und surrt wie in einer Flughafenhalle mit Dutzenden kleinen Förderbändern. Statt Koffer werden hier allerdings blaue Kisten mit Medikamenten transportiert: 12.000 Kisten am Tag. „Kaiser-Josef-Apotheke“ oder „Bahnhof-Apotheke“ ist auf den Lieferscheinen zu lesen. Laris Kuduzovic sieht aus dem Augenwinkel, wie ein Deckel sich anschickt, von der Kiste am Band zu fallen, und richtet diesen mit einer gekonnten Handbewegung. „Wir sind die Kümmerer“, sagt der 42-Jährige schmunzelnd und schaut den Medikamenten zu, wie sie weiterfahren.

SCHNELL AGIEREN UND REPARIEREN
Kuduzovic ist Leiter der Haus- und Betriebstechnik in der Herba-Zentrale in Wien Simmering. Seit 16 Jahren ist er im Haus. Mit seinen neun Mitarbeitern und vier Lehrlingen ist er dafür verantwortlich, dass hier alles in Bewegung bleibt. „Wir kümmern uns um fast alles: von der kaputten Steckdose über die komplexe Elektronik der Förderanlage bis zum Aufbau bei Veranstaltungen“, erzählt der gelernte Maschinenbautechniker: „Wir werden gerufen, wenn es ein Problem zu lösen gibt.“ Etwa 100 Anrufe kommen täglich auf das Notfallhandy. Dann heißt es, schnell zu agieren und zu reparieren: Riemen erneuern, Elektronik zum Laufen bringen, Blockade bei der Lichtschranke beheben. Für alle nicht akuten Anliegen hat Kuduzovic vor drei Jahren für die 500 Mitarbeiter*innen im Haus ein Online-Eingabe-System entwickelt. Zurück aus der Betriebshalle, sitzt er vor seinem Computer und scrollt durch das Programm. „2.500 Aufgaben haben wir seit der Einführung bekommen. Die Kolleginnen und Kollegen tragen ein, was sie wo, warum und bis wann brauchen“, sagt er, bewegt die Maus und fügt an: „Da ist wirklich alles dabei. Die Tür klemmt oder der Schreibtisch ist kaputt. Hier zum Beispiel Nummer 2439: Verdacht auf ein totes Tier.“ Die Haustechnik sei einmal sogar ausgerückt, um eine Katze einzufangen.

Die Betriebstechnik-Lehrlinge bei der Überprüfung des Notstromaggregats.

Nebenan steht auf einer Schreibtafel „Alex, schön, dass du wieder da bist“. Gemeint ist Alexander Schade, seit 30 Jahren im Unternehmen, Kuduzovic’ Stellvertreter und gerade zurück aus dem Urlaub. Schade ist Elektriker und im Team für den Brandschutz zuständig. Tief im Keller, hinter einer massiven Stahltür, stehen ein Wasserbecken, eine Elektropumpe und eine Dieselpumpe, um das Sprinklernetz im Notfall mit Wasser zu versorgen. „Darum kümmern wir uns natürlich auch“, sagt Kuduzovic und sperrt ein paar Meter weiter die nächste Tür auf. Dahinter verbirgt sich ein 12-Zylinder- Schiffsmotor. „Das ist unser Notstrom-Aggregat. Sollten alle Stricke reißen, versorgt es das Haus mit Strom.“

IMMER EIN WACHES AUGE
Dann geht es für den Leiter der Haus- und Betriebstechnik wieder die Stufen hinauf Richtung Vertriebshalle. Und man hat den Eindruck, der 42-Jährige behält dabei immer im Blick, ob wo ein Störsignal aufleuchtet oder ein Deckel von der blauen Kiste zu fallen droht.

Nikolaus Schirnhofer hat eine riesige Auswahl an Ersatzteilen parat.