AM PULS DER ZEIT. Jürgen Klinger, Chef des gleichnamigen Apothekeneinrichters, über aktuelle Änderungen und mögliche Fehler bei der Apothekengestaltung.
TEXT: SILKE RUPRECHTSBERGER
„In einem Geschäft haben Sie Kassen, Regale – und fertig. Eine Apotheke ist Verkaufsraum, Vertrauensort, Labor und Manufaktur zugleich“, sagt Jürgen Klinger: „Das macht die Gestaltung zu einem komplexen Spagat zwischen attraktivem Ambiente und strengsten Hygiene‑ und Sicherheitsregeln.“ Dazu komme, dass sich verschiedene Behörden auf unterschiedliche Vorgaben berufen: „Pharmazeutische Sachverständige kontrollieren die Betriebsordnung, das Arbeitsinspektorat achtet auf den Arbeitnehmerschutz, technische Sachverständige haben Brandschutz und Co. im Fokus. Hier den Überblick zu behalten, ist oft nicht ganz einfach.“
In den vergangenen Jahren habe sich in puncto Sicherheit beim Apothekendesign einiges getan, weiß Klinger: „Corona hat uns gelehrt, dass Niesschutz-Scheiben auch ohne Pandemie wirksam sind.“ Vor allem der Arbeitnehmerschutz habe stark an Bedeutung gewonnen. So regelt die VEXAT‑Verordnung den Umgang mit gefährlichen leicht entzündbaren Stoffen. „Viele Anforderungen greifen tief in die Planung ein – etwa der Platz für Sicherheitsschränke oder die Errichtung geeigneter Umfüllplätze. Das muss man frühzeitig berücksichtigen.“ Auch bei der technischen Ausstattung gebe es Neuerungen: „Bei Kühlschränken stellt nun die DIN 13277 sicher, dass der Innenraum überall exakt gleich temperiert wird.“
„KLIMAANLAGE IST EIN MUSS“
Fehler entstünden laut Klinger oft dort, wo gestalterische Wünsche über funktionale Notwendigkeiten gestellt werden. Große Fensterflächen etwa seien beliebt, aber problematisch: „Die Ware erhitzt sich, Schutzfolien helfen nur bedingt.“ Auch die Raumtemperatur werde oft unterschätzt – sie darf in Lagerräumen maximal 25 Grad betragen. Klinger: „Eine Klimaanlage ist mittlerweile ein Muss in jeder Apotheke.“ Kommissionierautomaten statte seine Firma immer mit einem eigenen Klimakreis aus: „Sonst droht Überhitzung, besonders wenn zentrale Systeme – etwa in Einkaufszentren – nachts heruntergefahren werden.“
„Bei aller Schönheit der Apotheke darf die Sicherheit nicht zu kurz kommen.“
Jürgen Klinger
SICHERHEIT FÜR ALLE SEITEN
Beim Schutz sensibler Medikamente empfiehlt Klinger pragmatische Lösungen: „Keine toten Winkel, einfache Alarmsysteme und eine Lagerung von Betäubungsmitteln außerhalb der Sichtweite.“ Kommissionierautomaten böten zusätzliche Sicherheit, weil hier Suchtgifte ohne Ordnungssystem („chaotisch“) gelagert würden. Für Nachtdienste seien kleine, sichere Durchreichen sinnvoll, im Einzelfall, etwa in Bahnhofsnähe, auch Systeme, die den direkten Kundenkontakt verhindern. „Das Thema Sicherheit für die Apotheke wird, fürchte ich, noch wichtiger. In München planen wir gerade eine Apotheke mit Panikraum und Alarmknopf zur Polizei. Intelligente Alarmanlagensysteme werden vermutlich zum Standard werden“, so Klinger.