CLEVERE LÖSUNG. Das Schlüsselmanagement für Apothekenlieferungen außerhalb der Öffnungszeiten ist eine Herausforderung: Apotheker*innen müssen selbst vor Ort sein oder physische Schlüssel an Lieferant*innen übergeben. Die Alternative: Smart Locks.
TEXT: WOLFGANG KNABL
Der Zusteller kommt zu später Stunde zur St. Richard Apotheke in Bisamberg. Mit einer App auf seinem ePOD-Gerät (mobiler Zustellscanner) übermittelt er via Bluetooth seine individuelle Zutrittsberechtigung – und das an der Innenseite der Tür montierte Smart Lock sperrt auf. Nachdem er die Packstücke mit den bestellten Pharmazeutika am gewünschten Platz abgelegt hat, verlässt er die Apotheke und sperrt die Tür mit der App wieder ab. Ein Door Sensor prüft automatisch, ob die Tür wirklich geschlossen und versperrt ist.
EINFACHER UND SICHER
Das digitale Schließsystem der Grazer Nuki Home Solutions GmbH ist seit November in der St. Richard Apotheke im Einsatz. „Früher lief alles über Schlüssel. Das war umständlich, vor allem bei Übergaben oder wenn etwas verloren geht. Unser Ziel war es, den Zugang einfacher und sicherer zu organisieren“, erklärt Konzessionärin Mag. pharm. Helene Miller. Ein weiterer Vorteil: „Wir haben volle Kontrolle.“ Erwartet die Apotheke eine Lieferung, kann Helene Miller eine Zutrittsberechtigung für ein bestimmtes Zeitfenster vergeben. Diese Berechtigungen kann sie mit der Nuki-App aus der Ferne jederzeit bearbeiten oder entziehen. Im Protokoll der App sieht sie, wann die Ware im Gebäude angekommen ist. „Man weiß, was passiert, die Zutritte sind nachvollziehbar, das erhöht die Sicherheit.“ Dieses Mehr an Kontrolle und Sicherheit gefällt auch der Hausbesitzerin. Sie wohnt im selben Haus und legt Wert darauf, dass niemand unbefugt ins Gebäude kommt und in der Nacht keine Tür offen bleibt.
UMRÜSTEN: EINE CHALLENGE?
Für das Umrüsten der ersten Tür im November hat Helene Miller eine Firma beauftragt. Im Jänner stattete das Team der St. Richard Apotheke in Eigenregie eine zweite Tür mit einem digitalen Schließsystem aus. „Die Installation ist relativ einfach, wenn man etwas technikaffin ist. Die Inbetriebnahme war schnell erledigt“, berichtet Helene Miller. Beim Nachrüsten wird das Smart Lock auf der Innenseite über dem bestehenden Türzylinder angebracht. „So wird das vorhandene Türschloss intelligent, und die Tür kann mit einem Keypad oder über die Nuki-App auf dem ePOD-Gerät oder Smartphone des Zustellers geöffnet und geschlossen werden“, erklärt Mag. Andreas Raab, Head of Corporate Development bei Nuki.
BALD STANDARD IN APOTHEKEN?
Raab ist überzeugt: „Die Ära der physischen Schlüsselübergabe bei Nachtanlieferungen neigt sich dem Ende zu. Was heute noch oft mühsame Logistik ist, wird bis 2030 zum digitalen, transparenten Standard in Apotheken.“ Helene Miller jedenfalls ist „sehr zufrieden mit der Lösung, vor allem im Hinblick auf Sicherheit und Organisation“. Gibt es etwas, das beim herkömmlichen physischen Schlüssel besser war? „Nachteile von digitalen Schließsystemen sind vielleicht, dass man sich ein bisschen mit der Technik beschäftigen und den Status der Akkus im Auge behalten sollte.“ Ihr Fazit ist eindeutig: „Die Umstellung auf ein digitales Schließsystem war die richtige Entscheidung.“