„Die wichtigste Messung ist immer die zweite“

INDIVIDUELLER ANSATZ. Das Unternehmen VerticalMed Tyrol geht in der Diagnostik neue Wege.

Text: Sonja Warter | Fotos: Alexander Eberl |  Porträts: Heinz Zak

Mag. pharm. Susanne Mair und Dr. Markus Schauer, DO, DPO, M.MSc, haben ein klares Ziel: hoch hinaus. Am liebsten dort, wo sie sich zu Hause fühlen – in den Tiroler Bergen. Während sie die Gipfel laufend erobert, erreicht er sie kletternd. Gemeinsam zeigen sie aber auch mit ihrem Unternehmen VerticalMed Tyrol, dass es mit ihren Klient*innen gesundheitlich steil bergauf gehen kann, wenn sie die richtige Unterstützung erhalten. Mair ist studierte Pharmazeutin, wechselte aber nach dem Aspirantenjahr in die Forschung. Ihre wahre Berufung fand sie allerdings erst als Unternehmerin. Mit VerticalMed Tyrol hat sie vor drei Jahren gemeinsam mit ihrem Kollegen die Lücke im System gesucht und gefunden. Welche das ist, erläutert sie am Beispiel des weit verbreiteten Eisenmangels: „Wer damit diagnostiziert wird, bekommt im Regelfall ein Supplement oder eine Infusion. Warum es überhaupt dazu kommt, wird gar nicht untersucht. Dabei können viele verschiedene Ursachen dahinterstecken. Wir versuchen immer, den Kontext zu sehen und erst dann gezielte Interventionen zu setzen.“


GANZHEITLICHER ANSATZ
Im Gesundheitssystem fehle die Zeit für eine ausführliche Anamnese, sagt sie. „Wenn aber jemand zusätzlich zum Eisenmangel massive Verdauungsprobleme hat, muss ich zuerst Entzündungsparameter messen, die Darmflora anschauen etc. Man muss nicht 1.000 Sachen messen, sondern Schritt für Schritt vorgehen. Tauchen Auffälligkeiten auf, kann man immer noch weiter analysieren.“ Mit ihren Klient*innen erarbeitet sie auf Basis einer individuellen Diagnostik Ernährungsempfehlungen, macht Vorschläge für Nahrungsergänzungsmittel in der richtigen Dosierung, achtet auf Wechselwirkungen. VerticalMed Tyrol sieht sie vor allem als Vermittler. „Wir denken ganzheitlich, und wenn es notwendig ist, empfehlen wir eine fachärztliche Abklärung.“ Diese Art der Zusammenarbeit sei die Zukunft.

Dass ihr Unternehmen keine eigenen Produkte verkauft, ist ihr wichtig. „Uns geht es um die Diagnostik. Wir stellen die Produkte zusammen, die dann in der Apotheke gekauft werden können.“


ZWEITMESSUNG RELEVANTER ALS ERSTMESSUNG
Den Weg zu VerticalMed Tyrol finden Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen. Vom Leistungs- oder Hobbysportler über Frauen, die schwanger werden möchten, bis hin zur 80-jährigen Dame, die wieder fitter werden will. „Oft ist schon viel Diagnostik da, aber nie etwas gefunden worden“, berichtet Mair. „Ausgangspunkt für uns ist immer die Anamnese, danach startet der gemeinsame Weg. Die wichtigste Messung ist immer die zweite. Erst dann lässt sich sagen, ob die Dosierungen passen, ob alles anflutet. Wenn die Werte okay sind, kann man sie einmal im Jahr wiederholen und quasi ‚sein Pickerl machen‘ lassen.“ Sobald jemand Symptome habe, sei es nämlich schon fast zu spät. Gerade wenn es um Stoffwechselwege und Co-Faktoren gehe, spürten die Betroffenen oft nicht, dass etwas nicht stimmt. Wenn man rechtzeitig und gezielt interveniere, könne man aber Folgeerkrankungen verhindern. Bei VerticalMed Tyrol beschäftigt man sich aktuell intensiv mit über den Urin ausgeschiedenen organischen Säuren. „Über diese Stoffwechselprodukte kann ich Stoffwechselwege abbilden und sehen, ob gewisse Enzyme arbeiten oder nicht. Das ist viel genauer als eine Blutanalyse.“ Jeder Befund sei einzigartig wie ein Krimi. Es gehe immer darum, Zusammenhänge zu erkennen. Isolierte Werte allein hätten keine Aussagekraft.


KEINE KONKURRENZ
Abgesehen von der Diagnostik engagiert sich das Team auch im Bereich Ausbildung, insbesondere für Apotheken, denn gerade da werde die beratende Tätigkeit immer wichtiger. Als Konkurrenz sieht Mair die anderen Player im Gesundheitssystem jedenfalls nicht. „Es gibt so viele Menschen, die Hilfe brauchen. Je mehr angeboten wird, umso besser ist es.“

Mehr Infos: www.verticalmedtyrol.com