Nachhaltige Stimme

ÖKOLOGISCHER IMPACT. Mag. pharm. Nina Gludovatz, Präsidentin der Pharmacists for Future (P4F), über nachhaltige Stellschrauben in der Apotheke.

TEXT: SILKE RUPRECHTSBERGER

Wenn Nina Gludovatz über nachhaltige Pharmazie spricht, spürt man sofort ihre Leidenschaft für das Thema: „Unser Berufsstand kann viel zum Klimaschutz beitragen.“ Aus einer zufälligen Begegnung mit Gleichgesinnten auf einem Kongress entstand im Februar 2025 der Verein „Pharmacists for Future Österreich“, dessen Präsidentin sie heute ist.

Warum ihr das Thema so wichtig ist? „Falsch oder unnötig eingesetzte Medikamente schaden neben den Patientinnen und Patienten auch der Umwelt. Viele Arzneistoffe belasten Gewässer, weil Kläranlagen noch nicht ausreichend ausgestattet sind, und Verpackungen erzeugen einiges an Müll.“

Sie selbst arbeitet als Krankenhausapothekerin in Wien – ein Umfeld, in dem sich viele „grüne“ Stellschrauben finden: Bei Narkosegasen etwa ist das Global Warming Potential (GWP) enorm: „Der GWP-Faktor von Desfluran liegt bei über 2.500, ein Kilogramm dieses Gases wirkt also 2.500-mal so stark auf die Erderwärmung wie ein Kilogramm CO₂. Bei Sevofluran beträgt der Faktor nur 26.“ Seit Januar 2026 ist der Routineeinsatz von Desfluran laut EU-F-Gas-Verordnung daher verboten. Fakten wie diese motivieren sie, ein Umdenken anzuregen – von Aktivkohlefiltern bis hin zu elektronischen Lieferscheinen und optimierten Logistikwegen lassen sich auch im Spital nachhaltige Schritte setzen.

Als gemeinnütziger, unpolitischer Verein vernetzen sich die P4F mit deutschen Kolleg*innen, publizieren Fachartikel, bieten Fortbildungen an und hoffen auf weitere Mitstreiter*innen aus den Reihen der Apotheker*innen, PKAs, Studierenden oder des industriellen Fachpersonals.

WICHTIGE MULTIPLIKATORFUNKTION
Für die P4F-Präsidentin ist Nachhaltigkeit kein Gegensatz zu wirtschaftlichem Erfolg: „Weniger Fehlanwendungen, weniger Überversorgung und effizientere Prozesse können sogar weniger Kosten bedeuten.“ Wer Patient*innen erkläre, warum Pulverinhalatoren klimafreundlicher seien oder wie Altmedikamente korrekt entsorgt gehörten, stärke zudem die Kompetenz der Apotheke. „Wir Apothekerinnen und Apotheker haben eine wichtige Multiplikatorfunktion“, sagt Gludovatz abschließend: „Die sollten wir nutzen.“

„Unser Berufsstand kann viel zum Klimaschutz beitragen“, ist Mag. pharm. Nina Gludovatz überzeugt.

Tipps für den Apotheken-Alltag
• Rückgabe fördern: Altmedikamente, leere Inhalatoren und Spritzenboxen aktiv zurücknehmen
• Sortiment steuern: Umweltfreundlichere Alternativen sichtbar platzieren
• Mehrweg denken: Kund*innen anregen, eigene Taschen mitzunehmen
• Deprescribing unterstützen: Bei Medikationsanalysen auf nicht indizierte Dauertherapien oder Verschreibungskaskaden achten